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Lesungen

Der Rückzug (1/3) - als der Heimweg versperrt war | Geschichte von Horst Hawemann

15.08.2018 | 28 Min. | MDR KULTUR

August 1968: Panzer rollen doch Prag. Sie überraschen auch jene Urlauber aus der DDR, die am Balaton oder am Schwarzen Meer ihre Ferien verbracht haben. Der Weg für die Heimreise ist versperrt. Theaterregisseur und Autor Horst Hawemann gerät mitten zwischen die Gestrandeten und erlebt Realsatire am Rand einer großen Tragödie. Aus seinem nachgelassenen Romanfragment liest Christan Steyer.
Im Sommer 1968 hat es, wie jedes Jahr, Tausende Urlauber aus der DDR in das ihnen zugängliche Stück vom Süden gezogen: in die sozialistischen "Bruderländer" des Balkans. Als die Ferien zu Ende gehen, treten sie in Rumänien, Bulgarien und Ungarn die Rückreise an. Aber die Züge von Budapest nach Berlin fahren normalerweise über Prag. Und da stehen in diesem August die sowjetischen Panzer. Die Tschechoslowakei ist für Transitreisende gesperrt.
Der Theaterregisseur und Autor Horst Hawemann ist in diesem Sommer bei der Familie seiner jugoslawischen Frau. Seine Heimreise führt ihn mitten zwischen die gestrandeten Landsleute, an die offenbar keiner der Strategen des Warschauer Pakts einen Gedanken verschwendet hat. Jetzt werden sie in tagelangen improvisierten Eisenbahn-Sondereinsätzen über die ungarisch-ukrainische Grenze und quer durch Polen nach Hause gebracht.
Hawemann schrieb ein kleines Satyrspiel zur großen Tragödie des Prager Frühlings, der die Illusionen von einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" ein für alle Mal platzen ließ. Das Romanfragment fand sich im Nachlass des Autors, der 2011 starb. Der Mitteldeutsche Rundfunk produzierte hieraus eine Lesung.

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