Lebensläufe: Dagmar Manzel – Porträt einer Anti-Diva | Video der Sendung vom 09.06.2022 23:10 Uhr (9.6.2022) mit Untertitel

Dagmar Manzel

Dagmar Manzel – Porträt einer Anti-Diva

09.06.2022 ∙ Lebensläufe ∙ MDR-Fernsehen
Ab 0UT
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Als Kind überzeugter kommunistischer Eltern wächst Dagmar Manzel auf. Die Arbeiterklasse über alles. Sie selbst nennt sich bis heute Facharbeiterin für Schauspielkunst. Bloß nicht abheben. Daher die Ablehnung jedweder "Roter Teppich-Allüren". Die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule macht sie heimlich. Die Herkunft prägt sie bis heute, ist Motor, Richtwert, Leitfaden. Und gleichzeitig ist sie der Beengung dieser Bodenständigkeit entflohen durch ihre Berufswahl. Hier ist der Riss, der Schmerz, der stete Kampf mit sich selbst, der sie zu solch einer Künstlerin macht. Dem über alles geliebten Vater zuliebe tritt sie sehr jung in die SED ein. Mit ihrem Eintauchen in die Schauspielwelt und Bohème der achtziger Jahre in Ost-Berlin entscheidet sie sich durch die neuen Einflüsse für einen Austritt aus der Partei und nimmt statt dessen noch im Osten den katholischen Glauben an. Sie hat bis heute einen starken Glauben, auch wenn sie eine sehr eigene Haltung entwickelt hat, wie man diesen lebt. Ihr erfolgreicher Weg ist eine der erstaunlichsten Karrieren im Nachwendedeutschland. Können und auch Glück ebneten diesen Weg. Im Jahr des Mauerfalls stirbt ihr Vater. Sie sagt, vielleicht besser so und dass er diese politische Entwicklung nie verkraftet hätte. Das ist bis heute ein wichtiges Thema, wie sie eine Haltung zu ihrer ostdeutschen Herkunft entwickelt hat. Und trotzdem weiß sie, dass sie all die Möglichkeiten, die sich nach dem Mauerfall eröffneten, sonst nie bekommen hätte und sehnt sich sicher nicht zurück.


Bild: MDR/Michel Links